Von der Gründung bis heute

Die Anfänge (1957–1959)

Am 30. Oktober 1957 gründeten 23 kanusportbegeisterte Menschen den Kanu-Club Haselhorst. Die Gründungsmitglieder verließen ihren bisherigen Verein, um ihre sportlichen Ziele eigenständig zu verfolgen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Paul M. Weigel gewählt.

Die größte Herausforderung: ein eigenes Gelände zu finden. Nach intensiver Suche erhielt der junge Verein im Frühjahr 1958 vom Bezirksamt Spandau ein Pachtgrundstück auf dem Gelände der ehemaligen königlichen Pulvermühle in Haselhorst, gemeinsam mit drei weiteren Kanuvereinen und einem Segelclub.

Pionierarbeit am Pulvermühlengraben (1958–1973)

Was die Gründer vorfanden, war Wildnis: verwildertes Strauchwerk, junger Baumwuchs (der alte Baumbestand war in den Nachkriegswintern durch die Öfen der Haselhorster Siedlungen gewandert), Bombentrichter, Mauerreste und kein direkter Wasserzugang.

Welcher Verein welches Grundstück erhielt, entschied das Schicksal: Per Münzwurf (Kopf oder Zahl) unter Aufsicht des Spandauer Sportamtsleiters wurden die Geländeteile zwischen Sandpiste und Graben verteilt. Wegen der zu erwartenden Großboote und Steganlagen erhielt der Segelverein den einzigen Havel-Uferplatz neben dem Ruderverein.

In unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden (4.263 allein für den Bootshausbau) schufen die Mitglieder aus dem Nichts eine Sportstätte. Strauchwerk wurde gerodet, Erdlöcher und Bombentrichter verfüllt, erhebliche Mengen Gesteinsbrocken und Kopfsteinpflaster ausgegraben und mehrfach umgelagert. Gemeinsam mit den Nachbarvereinen wurde der Graben beräumt. Mit einem Gussrohr von 500 mm Durchmesser musste in Handschachtung ein Abfluss zum Hauptgraben geschaffen werden. Danach stellten englische Pioniere mit Großgeräten den Durchstich zur Havel her. Erst jetzt war das Gelände wassersportgerecht.

Das Baumaterial für das Bootshaus stammte aus einer gut erhaltenen Isolierbaracke des Städtischen Krankenhauses Spandau in der Lynarstraße. Im September 1958 wurde sie unter fachkundiger Aufsicht demontiert. Mit einem zinslosen Darlehen von 10.000 DM, abgesichert durch zehn Bürgschaften der Mitglieder, konnte im Oktober 1958 das Fundament gegossen werden.

Im Sommer 1959 wurde Richtfest gefeiert. Doch es blieb noch über Jahre viel Installations- und Ausgestaltungsarbeit zu tun. 1966 war das Darlehen vollständig getilgt, 1972 entstand ein separates Sanitärgebäude, und 1973 erfolgte die endgültige Bauabnahme.

Sportliche Entwicklung

In den Anfangsjahren lag der Schwerpunkt auf Wandersport mit Faltbooten. Die ersten goldenen Wanderfahrabzeichen wurden 1964 erworben. Doch schnell wuchs das Interesse am Leistungssport: Kanuslalom und Wildwasserrennen wurden zu Schwerpunkten.

Da einige Gründungsmitglieder bereits im früheren Verein Kanu-Rennsport betrieben hatten, wurden ein Renn-Einer und -Zweier angeschafft. Die Taufpaten waren die beiden Olympioniken Erich Koschnik und Meinrad Miltenberger. Mit der Verbreitung von Kunststoffbooten für Slalom und Wildwasser etablierte sich der KCH in der Berliner Kanuslalom-Szene und richtete über Jahrzehnte die stark frequentierten Berliner Herbst-Slalomveranstaltungen aus.

Der sportliche Höhepunkt der ersten Jahrzehnte: 1980 gewann Gerald Schulz den Deutschen Vizemeistertitel der Schüler B im K1 bei den Deutschen Schülermeisterschaften auf heimischer Strecke an der Zitadelle. Neben diversen Berliner Meistertiteln im Wildwasser-Rennsport und Slalom wurden auch einige Norddeutsche Meistertitel errungen.

Im Wandersport erbrachten einige Fahrer Kilometerleistungen, die der Umrundung des Globus entsprachen. Gerhard "Eddie" Rohde wurde über mehrere Jahre in der Spitzengruppe mit den größten Kilometerleistungen des LKV Berlin geführt. 1989 und 1990 gewann der Verein zweimal in Folge das "Blaue Band von Berlin" als kilometer- und punktbester Verein.

Der Kampf um das Gelände (1990–1999)

Als 1990 das Großprojekt "Wasserstadt Oberhavel" startete, stand die Existenz des Vereins auf dem Spiel. Unter der Führung des damaligen Vorsitzenden Manfred Baumgartl schlossen sich die sieben Wassersportvereine am Pulvermühlengraben zur Interessengemeinschaft zusammen.

Nach zähen Verhandlungen mit dem treuhänderischen Entwicklungsträger wurde 1993 der Verbleib der Vereine gesichert, als Pufferzone zwischen Industriegelände und Wohnbebauung sowie als sozialpolitisch wichtiger Sport- und Erholungsraum für die künftigen Bewohner der Wasserstadt. 1999 konnte mit einem neuen zehnjährigen Pachtvertrag der Vereinsstandort endgültig gesichert werden.

Der Verein Heute

Über sechs Jahrzehnte nach der Gründung hat der Kanu-Club Haselhorst seinen familiären Charakter bewahrt. Jung und Alt paddeln gemeinsam, organisieren Wanderfahrten, Herbstwanderungen und Skireisen, engagieren sich in der Jugendarbeit und pflegen das Vereinsgelände.

Die Wildwasserstrecke an der Zitadelle wurde modernisiert, der Club richtete 2004 die German Masters und 2005 die Deutschen Schülermeisterschaften aus. Das historische Bootshaus erhielt 2004 ein neues Dach – Zeugnis einer langen Tradition ehrenamtlicher Erhaltungsarbeit.

Der KCH steht auch heute im Zeichen des stilisierten „H" – als lebendige Gemeinschaft, die Kanusport, Naturerleben und Vereinsleben miteinander verbindet.

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